Eine zerfurchte Welt

Topographie und Geologie auf dem Merkur

von Kenneth R. Lang und Charles A. Whitney
(aufbereitet und ergänzt nach einer Übersetzung von Axel M. Quetz by planetology.org)

Der Merkur (Bild: NASA)

Inhalt

Hauptseite und Einleitung | Der kleine Planet | Die verzögerte Rotation | Die dünne Atmosphäre | Eine mondähnliche Oberfläche | Geologie und Tektonik | Ein erdähnliches Inneres | Das Magnetfeld des Merkur

Einleitung

Merkur erhielt seinen Namen von dem römischen Gott des Handels, der dem griechischen Götterboten Hermes entsprach. Er umkreist die Sonne auf einer engeren Bahn als alle anderen Planeten und weist daher mit 88 Tagen das kürzeste Jahr so wie mit einer Geschwindigkeit von 48 Kilometern pro Sekunde die höchste Bahngeschwindigkeit im Sonnensystem auf.

Merkur ähnelt äußerlich dem Erdmond, während sein Inneres mit dem der Erde vergleichbar ist. Möglicherweise verlor der Planet einen Teil seiner Materie, als er mit einem Körper von der Größe des Mondes zusammenstieß.

Lange Zeit wußte man so gut wie nichts über Merkur, bis ihn eine unbemannte interplanetare Raumsonde anflog und Radarbeobachtungen möglich wurden. Sie widerlegten zahlreiche alte Vorstellungen, die man sich von Merkur gemacht hatte. 1985 sorgten Beobachtungen von der Erde aus für eine weitere Überraschung. Diese Themen werden wir im folgenden schildern.

Der Planet: eine kleine Welt im Glanz des Sonnenlichts

Merkur besitzt einen sehr kleinen scheinbaren Durchmesser am Himmel. In der scheinbaren Helligkeit übertreffen ihn zwar nur wenige Sterne, da er aber immer in der Nähe der Sonne steht, läßt er sich nur schwer beobachten. Mit bloßem Auge ist Merkur nur in der Dämmerung und nahe am Horizont in ganz flachem Winkel durch eine dicke Luftschicht zu sehen (Abb. 1). Die Astronomen versuchten deshalb, Merkur am Tage zu beobachten, wenn er hoch am Himmel steht und sein Licht nur eine dünne Luftschicht durchqueren muß. Dies ist allerdings nur mit einem Teleskop möglich, so dass viele Astronomen Merkur noch nie mit bloßem Auge gesehen haben. Überflüssig zu sagen, dass sich solche Beobachtungen sehr schwer durchführen lassen.

Elongationen von Merkur und Venus

Abb. 1: Die größten Elongationen. Anders als die äußeren Planeten stehen Merkur und Venus nachts nie hoch am Himmel. Sie umkreisen die Sonne innerhalb der Erdumlaufbahn, sind ihr also immer relativ nahe und erscheinen stets nur kurz vor Sonnenaufgang oder kurz nach Sonnenuntergang. Außerdem zeigen sie Phasen wie der Mond. In ihren Elongationen sehen wir Merkur und Venus nie in einem größeren Winkelabstand als 28 beziehungsweise 47 Grad von der Sonne.

Nach Pluto besitzt Merkur mit 7 Grad die größte Bahnneigung zur Ekliptik und die exzentrischste Bahn von allen Planeten. Lediglich die Kometen und gelegentlich auch einmal ein Asteroid übertreffen Merkur und Pluto in dieser Hinsicht. Es ist wahrscheinlich kein Zufall, dass diese beiden Planeten an den Rändern des Planetensystems solche Extreme darstellen. Ihr Außenseiterdasein im solaren Nebel mag ihnen Entfaltungsmöglichkeiten für ein ungewöhnliches Verhalten geboten haben.

Das Sonnenlicht ist auf Merkur zehnmal intensiver als auf dem Mond, und mittags steigen die Temperaturen auf über 700 Kelvin, also ca. 430 Grad Celsius, an, heiß genug, um Zinn, Blei und sogar Zink zu schmelzen. Um Mitternacht herum ist die Oberfläche schutzlos dem interplanetaren Raum ausgesetzt, so dass die Temperaturen auf 100 Kelvin, entsprechend etwa –170 Grad Celsius, absinken. Damit ist die Temperaturdifferenz größer als auf jedem anderen Mond oder Planeten im Sonnensystem.

Das von der Oberfläche reflektierte Sonnenlicht hat eine merkwürdige Eigenschaft, die wir auch vom Mond her kennen: Es ist schwach polarisiert. Für das bloße menschliche Auge unbeobachtbar, läßt sich dieser Effekt mit einem Polarisationsfilter nachweisen. Dies ist ein Hinweis darauf, dass die Oberfläche mit einer Staubschicht bedeckt ist, die durch den ständigen Meteoritenhagel entstanden ist.

Weiterführende Links und Bildquellen

  • Zusammenfassung der Eigenschaften des Merkur auf NASA-Seite
  • NASA-Übersicht über die Mariner-10-Mission von 1974 zum Merkur
  • Allgemeine Geologie der Planeten des Sonnensystems



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    NEU Fotos der Nasa-Merkur-Sonde MESSENGER 2008

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